Aufrufe
vor 8 Monaten

DOLCE VITA MAGAZIN N° 19 / 2019

  • Text
  • Travel
  • Fashion
  • Lifestyle
  • Beauty
  • Bad
  • Lingerie
  • Dessous
  • Lauder
  • Timeblock
  • Haende
  • Sensai
  • Vietnam
  • Amanoi
  • Cruiser
  • Handschrift
  • Girona
  • Magazin
  • Dolce
  • Vita
DER FRIEDLICHSTE PLATZ DER WELT – AMANOI | SENSAI | GEPFLEGTE HÄNDE | MEIN JÜNGERES ICH | DAS NEUE PARFUM VON AERIN LAUDER | LINGERIE | GIRONA – WO DER GAST NOCH KÖNIG IST | HOTEL CRANS AMBASSADOR | HANDSCHRIFT | BAD – MUT ZUR FARBE | TRÄUME AUF ZWEI RÄDERN

lifestyle Eine kleine

lifestyle Eine kleine Seidenkunde Seide wird hauptsächlich aus dem Kokon des Seidenspinners Bombyx mori gewonnen. Vor 3000 Jahren wurde er in China für die Seidenproduktion domestiziert. Der Bombyx mori gehört zu den Nachtfaltern und ist von unscheinbarem weissem pelzigem Aussehen. Die Entwicklung vom Ei bis zum Schmetterling dauert 2 Monate. Für die Aufzucht werden Anfang April die sorgsam kühl und trocken gelagerten Eier des letzten Jahres langsam in einem Brutschrank aufgewärmt, so dass nach 14 Tagen die Raupen schlüpfen. Das Schlüpfen muss mit dem Spriessen der Maulbeerbäume zusammenfallen, da die Maulbeerblätter die einzige Nahrung des Bombyx mori sind. In ihrem kurzen Raupenleben von 40 Tagen häutet sich die Raupe vier Mal. Die Zeiträume zwischen den Häutungen bis zum Verpuppen bezeichnet man als Lebensabschnitte. In jedem dieser Lebensabschnitte wachsen der Platzbedarf der Raupe und ihr Heisshunger. Schliesslich ist für die Seidenraupe die Zeit gekommen, sich zu verpuppen. Auf vorgerichteten Gestellen oder Zweigen fixiert sie ihre Position mit einem losen Gespinst aus Seidenfäden, um dann im Zentrum mit dem Bau des Kokons zu beginnen. Die Raupe scheidet hierfür die von ihr erzeugte Seide in einem einzigen, bis zu 1200 m langen Faden aus. Nach drei bis vier Tagen ist der Kokon fertig. In seinem Inneren verwandelt sich die Raupe zur Puppe, um nach weiteren 15–20 Tagen die Metamorphose zum Schmetterling abzuschliessen. Der Falter erweicht den Kokon mit Hilfe eines Sekrets und schlüpft aus. Erstaunlich ist, dass der Bombyx mori nicht fliegen kann. Ebenso wenig ist er in der Lage, Nahrung aufzunehmen. In seinem kurzen Leben ist sein einziges Ziel, sich zu paaren. Kurz nach der Befruchtung stirbt das Männchen. Dem Weibchen bleiben noch einige Tage, um ihre 500 Eier abzulegen, danach stirbt es auch. Doch nur die wenigsten Falter erhalten in der Zucht die Möglichkeit, sich zu entwickeln, denn nach dem Fertigstellen des Kokons beginnt die Ernte. Die Kokons werden aus ihren Gestellen gelöst und eingesammelt. Die erste lockere, wolkenartige Schicht um sie herum wird entfernt und zu Fäden versponnen. Diese Seidenqualität wird Bouretteseide genannt und ist von grober, noppiger Qualität. Weitaus aufwändiger ist die Gewinnung der hochwertigen Haspelseide des Kokons. Um an den Seidenfaden zu gelangen, muss der Klebstoff, der den Kokon zusammenhält, aufgelöst werden. Dazu wird er in heisses Wasser gelegt. Nun gilt es, den Anfang des sich ablösenden Seidenfadens zu finden. Je nach gewünschter Fadenstärke werden Seide wurde erfunden, damit die Frauen nackt in Kleidern gehen können. Arabisches Sprichwort 28 OKTOBER|NOVEMBER 2019

1 mehrere dieser Anfänge zusammengefasst und gemeinsam aufgespult, während sich die Kokons im heissen Wasser abwickeln wie ein Wollknäuel. Am Ende des Abhaspelns anfallende kurze Reste und beschädigte Kokons werden zu Schappeseide versponnen. Nur die Puppe bleibt im Wasserbad zurück. Damit ist die Gewinnung der Rohseide abgeschlossen. Der Rohseidenfaden ist so extrem reissfest und hart, dass er für die Saiten der Koto, einem japanischen Musikinstrument, verwendet wurde. Bevor die Rohseide zu dem bekannten weichen Material wird, muss sie eine halbe Stunde in Wasser mit etwas Soda gekocht werden. Drei der so aufbereiteten Fäden werden miteinander verzwirnt. Die Seide kann nun gefärbt und weiterverarbeitet werden. Neben dem Bombyx mori gibt es weitere Arten von Seidenspinnern, die aber weniger ergiebig in der Produktion sind oder aus anderen Gründen nie die gleiche Bedeutung erlangt haben. Der bekannteste Vertreter dürfte der Antheraea pernyi sein. Von ihm kommt die Tussah-Seide, auch Wildseide genannt. Eine Rarität ist die Seide des Koishimaru, einer anspruchsvollen Zuchtform, welche nur in einigen Bergregionen und traditionell im japanischen Kaiserhaus zu finden ist. Der Kokon ist kleiner und ergibt beim Abhaspeln eine Länge von nur 450 m, also weit weniger als die Hälfte der üblichen Zuchtformen. 2 1 Feinschmecker: Auf dem Speiseplan der Koishimaru-Raupe stehen ausschliesslich junge, frische Blätter des Maulbeerbaums. 2 Wertvoller Schatz: Die Koishimaru- Kokons sind kleiner als die üblichen Zuchtformen. DOLCE VITA MAGAZIN 29

DOLCE VITA Magazin

DOLCE VITA MAGAZIN N° 19 / 2019
DOLCE VITA MAGAZIN N° 18 / 2019
DOLCE VITA MAGAZIN N° 17 / 2019
DOLCE VITA MAGAZIN N° 16 / 2018
DOLCE VITA MAGAZIN N° 15 / 2018
DOLCE VITA MAGAZIN N° 14 / 2018
DOLCE VITA MAGAZIN N° 13 / 2018
DOLCE VITA MAGAZIN N° 12 / 2017
DOLCE VITA MAGAZIN N° 11 / 2017
DOLCE VITA MAGAZIN N° 10 / 2017
DOLCE VITA MAGAZIN N° 9 / 2017
DOLCE VITA MAGAZIN N° 8 / 2016
DOLCE VITA MAGAZIN N° 7 / 2016
DOLCE VITA MAGAZIN N° 6 / 2016
DOLCE VITA MAGAZIN N° 5 / 2015
DOLCE VITA MAGAZIN N° 4 / 2015
DOLCE VITA MAGAZIN N° 3 / 2015
DOLCE VITA MAGAZIN N° 2 / 2015